Traumata sind von außen nicht sichtbar. Sie berauben uns unserer Freiheit, Normalität, Lebensfreude, Sicherheit, Individualität und unseres Friedens.
„Mit den Händen kaputter Seelen
kann kein Frieden aufgebaut werden.“
Elias Canetti
Die Stiftung Überbrücken hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen zu unterstützen, die im Zuge von Kriegen traumatische Erlebnisse erlitten haben. Diese Unterstützung erfolgt unabhängig von sozialer, ethnischer oder konfessioneller Herkunft.
Überwindung der unsichtbaren Kriegsfolgen
Die Stiftung Überbrücken nimmt sich dabei vornehmlich der unsichtbaren Folgen kriegerischer Konflikte an. Während sich nach dem Ende gewaltsamer Auseinandersetzungen die Hilfsmaßnahmen vorwiegend auf den Wiederaufbau konzentrieren, geht es der Stiftung Überbrücken darum, sich den psychischen Verletzungen der Kriegsbeteiligten zuzuwenden.
Traumatisierte Menschen spüren die Wunden des Krieges lebenslang. Ungeachtet von offiziellen Friedensvereinbarungen und Aufbauprojekten lebt der Krieg in ihren Ängsten und Albträumen weiter. Sie werden von Schuld- und Schamgefühlen verfolgt. Sie haben in sich und andere Menschen kein Vertrauen und sind in ihrem Gefühl für Sicherheit, Freiheit, Lebenslust und Individualität tief erschüttert.
Ihre Traumata übertragen sich unbewusst auch in Form bestimmter Verhaltensmuster auf ihre Kinder und Kindeskinder. Den durch Krieg und Verfolgung Traumatisierten bei der Verarbeitung ihrer seelischen Verletzungen zu helfen, fördert somit nicht nur die individuelle Genesung der Betroffenen selbst, sondern hilft gleichzeitig, die Übertragung ihrer Traumata auf die nachfolgenden Generationen zu verhindern.
Konkrete Schritte zur Heilung
Die Stiftung Überbrücken hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Menschen bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse durch die Finanzierung vielfältiger Hilfsprojekte zu unterstützen:
a) Durch individuelle Therapie, Beratungs- und Betreuungsarbeit sowie organisierte Begegnungen und das Gespräch in Selbsthilfegruppen erlangen die Traumatisierten wieder Vertrauen in ein menschliches Miteinander. Diese individuelle und gemeinschaftliche Auf- und Verarbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse ermöglicht es ihnen, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Mit dem Vertrauen zu sich selbst und ihren Mitmenschen können sie erneut Verantwortung für sich, ihre Angehörigen und die Gesellschaft im ganzen übernehmen.
b) Neben dieser direkten Verarbeitungshilfe unterstützt die Stiftung Überbrückenauch den gesellschaftlichen Diskurs um das Thema ‘Trauma’. Mit der Unterstützung und Organisation von Fachvorträgen und Forschungsarbeit wird eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Folgen von Kriegstraumata gefördert. Über einen universitären Anschluss an die jeweiligen Fachbereiche (u.a. Psychologie, Soziologie und Geschichte) sollen Master- und Promotionsprojekte mitfinanziert und begleitet werden. Einen besonderen Schwerpunkt sollen hierbei Forschungsarbeiten bilden, die in interdisziplinärer Perspektive den sozialen, ethnischen und auch emotionalen Hintergrund der traumatisierten Menschen aufgreifen und berücksichtigen.
Einbeziehung der Täter
Bei dieser Aufarbeitung von Gewalt dürfen auch die Täter nicht ausgeschlossen bleiben. Nur wenn sich Täter ebenfalls mit ihrem Verhalten und ihrer eigenen Traumatisierung auseinandersetzen, kann verhindert werden, dass sie erneut zu einer Bedrohung für sich und die Gesellschaft werden. Die Erkenntnisse darüber, wie friedliche Menschen zu Gewalttätern werden, sind bei der Friedenssicherung entscheidend. Nur dadurch, dass wir uns in unserer Arbeit Opfern und Tätern zuwenden, können letztlich alte Konflikte nachhaltig überwunden und neue Eskalationen der Gewalt verhindert werden.
Eine lohnende, aber langfristige Aufgabe
Gerade auch in Deutschland haben wir nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren, wie viel Zeit notwendig ist, um Schuld und Scham einzugestehen, die Auswirkungen des Krieges, der Verfolgung und der Vertreibung zu ermessen, und um das eigene und das Leid anderer Menschen zu verarbeiten. Dieser Prozess ist noch nicht beendet. Und gleichzeitig sterben täglich Menschen in neuen Kriegen oder leiden erneut unter Verfolgung oder Vertreibung.
Unverzichtbarer Beitrag zur Friedensstiftung
Traumatisierte Menschen sind von Verbitterung, Hass, Trauer und Ohnmacht geprägt. Dieser unverarbeitete emotionale Druck fließt unweigerlich in ihren Lebensalltag ein. Sie sind in ihrer Selbständigkeit und in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt. Um diese Menschen wieder voll in die Gesellschaft zu integrieren, sie zu Friedensträgern der Nachkriegsgesellschaft zu machen, ist es notwendig ihnen bei der Verarbeitung ihrer Traumata zu helfen.
Da Gewalt und Krieg für alle daran Beteiligten immer eine Tragödie bedeutet, wird dauerhafter Frieden erst dann möglich sein, wenn individuelle und gesellschaftliche Folgen von Krieg, Vertreibung und Flucht nachhaltig aufgearbeitet worden sind. Langfristiges Ziel ist es deshalb zu verhindern, dass aus nachfolgenden Generationen nicht erneut Opfern oder Täter werden, sondern Konflikte im Vorfeld besser erkannt und ausgebrochene Krisen gezielter eingedämmt, gelenkt und gelöst werden können.
Die Stiftung Überbrückenunterstützt somit Prozesse, durch die es kriegsgeschädigte Menschen ermöglicht wird, sich selbst wieder aktiv an der Bewahrung des Friedens in der Nachkriegsgesellschaft zu beteiligen.
Aus ihren Erfahrungen werden gleichzeitig Erkenntnisse darüber gewonnen, wie durch rechtzeitige friedliche Präventionsmaßnahmen die Gesellschaft in Zukunft besser vor neuen Gewalt- und Konflikteskalationen geschützt werden kann. So können die Einsichten in das Warum der Eskalation in Zukunft helfen, Gewaltausbrüche und damit neue traumatische Verletzungen zu verhindern.
Zusammenarbeit mit südost Europa Kultur e.V.
Die Stiftung überbrücken stützt sich in ihrer Arbeit auf die langjährigen Erfahrungen von südost Europa Kultur e.V Diesem Verein, der sich der Arbeit mit traumatisierten Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien widmet, fühlt sich die Stiftung überbrücken eng verbunden, und möchte dessen Arbeit in besonderer Weise fördern.